Burmetler eine Klasse für sich – Rohrer nach zehn Jahren zurück auf dem Thron

Stefan Burmetler hat am zweiten Tag der World Series Garlando in St. Pölten seine Vormachtstellung auf dem Tisch des italienischen Herstellers eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der 17-Jährige wiederholte seine beiden Vorjahrestriumphe und sicherte sich im Mixed – mit Langzeit-Spielpartnerin Melissa Mosser – und im Einzel – nach einem Final-Sieg gegen Bruder Daniel – erneut Gold. 

Im Damen-Einzel überraschte Verena Rohrer sich und die Tischfußball-Szene mit ihrem ersten Titel in dieser Disziplin seit exakt zehn Jahren. 

Mosser blockt Matchball, Burmetler entscheidet Krimi im „Sudden Death“

Von wegen Mittagspause! Zwischen den letzten Qualifikationsrunden und dem Hauptbewerb der Einzel-Bewerbe war für fast alle der rund 500 Spieler:innen durchatmen angesagt. Nicht so für die vier besten Mixed-Paarungen, die die „Session Break“ dazu nutzten, die Medaillen auszuspielen, nachdem die Semifinals am Donnestag-Abend vertagt worden waren.

Die Vorjahressieger Melissa Mosser/Stefan Burmetler waren die letzte verbleibende heimische Paarung im Bewerb. Die Beiden hatten im Semifinale mit Nathalie Krieg (SUI)/Philipp Lukas(GER) keine Mühe (3:0). Im Endspiel kam es zum Duell mit Jana Pankova/Simon Varos (beide SVK). Das slowakische Duo lag nach Sätzen zunächst 2:1 in Front, mit einem 5:4 erzwangen Mosser/Burmetler aber den Entscheidungssatz. Dieser entwickelte sich dann zu einem wahren „Tischfußball-Krimi“.

Beim Stand von 6:5 hatte Varos, seines Zeichens Nummer fünf der Einzel-Weltrangliste, den Ball zur Entscheidung auf der 3er-Reihe „eingezwickt“. Doch Mosser blieb cool und blockte den Matchball ihres Kontrahenten. Danach tauschten Burmetler und Varos im Wechsel weitere Treffer aus. Beim Stand von 7:7 misslang dem Slowaken ein Abspiel von der 5er-Reihe. Mosser eroberte den Ball, steckte auf ihren Spielpartner durch, der sich die Chance nicht nehmen ließ und unter großem Jubel zum 8:7 im fünften Satz einschoss.

Entscheidend für den Sieg? „Die Meli“, unterstrich Burmetler. „Sie hat den Matchball abgewehrt und gezeigt, warum sie zu den besten Verteidigerinnen unter den Frauen gehört.“ Das TFBÖ-Doppel wiederholt damit seinen Vorjahrssieg und bleibt auf dem Garlando das Mixed, das es zu schlagen gilt.

Auch der Bruder stoppt Stefan Burmetler nicht: „Hatte einfach einen guten Tag“

Die Rolle als der große Gejagte dürfte Burmetler liegen. Der Pielachtaler hatte auch gar keine andere Wahl, ging er doch auch im Einzel am Nachmittag als Titelverteidiger ins Rennen. Nachdem er im Vorjahr zum jüngsten World-Series-Champion aller Zeiten avancierte, spielte er in diesem Jahr mit dem sprichwörtlichen „Fadenkreuz“ auf dem Rücken. Seine 225 Kontrahenten im Einzel-Bewerb hatten alle ein Ziel: Burmetler auf seinem „Heimtisch“ den wichtigsten Titel der Saison streitig zu machen.

Doch das schien den Youngster überhaupt nicht zu stören. Der Weltranglisten-Zweite pflügte förmlich durch den Bewerb, gab bis zum Finale in sechs Matches überhaupt nur drei Sätze ab. Durch 3:0-Erfolge über seinen Doppel-Partner Matthias Schöpf (Viertelfinale) sowie über den Tschechen Martin Dousa (Semifinale), im ITSF-Ranking hinter Burmetler die Nummer drei, buchte der Titelverteidiger in souveräner Manier erneut das Final-Ticket. 

Im Endspiel kam es etwas überraschend dann zum Bruder-Duell. Daniel Burmetler (23) hatte im Halbfinale den Deutschen Thomas Haas knapp mit 3:2 besiegt und belohnte sich mit der Final-Teilnahme. Zu holen war dann – wie so oft in den Familien-internen Trainings der jüngeren Vergangenheit – nichts, Stefan Burmetler siegte eindrucksvoll 3:0. „Es ist nie einfach, auch wenn es so aussieht. Ich hatte einfach einen guten Tag“, so der nunmehr zweimalige World-Series-Champion im Einzel und Mixed.

Neben den Medaillen streift Burmetler sich für die beiden Siege allein 42,1 Gramm Gold, umgerechnet rund 3.400 Euro, in seinen Tresor legen. Dazu kommen noch etwa 1.200 Euro in Geldpreisen.

Der Sieger fand auch noch Zeit, sich über den zweiten Platz seines Bruder zu freuen. „Dass Daniel im Einzel-Finale war, ist eine geile Sache. Das gibt ihm Selbstvertrauen für morgen.“ Am Samstag geht es für den Doppel-Spezialisten und älteren der beiden Brüder um den „Hattrick“ im Herren-Doppel. Gemeinsam mit Benjamin Willfort blieb Daniel Burmetler 2022 und 2023 siegreich und strebt das dritte Gold en suite an.

Verena Rohrer (li.) holte sich den ersten Einzel-Titel seit 2014 – und geht nun befreit ins Doppel mit Frau Sabrina (re.).

Zehn Jahre sind genug: Verena Rohrer überrascht mit Einzel-Titel

Von 2005 bis 2014 dominierte Verena Rohrer die World Series Garlando. 2014 ging dann ihre eindrucksvolle Serie von zehn Titeln in Serie zu Ende. Seither wartete die Garlando-Spezialistin auf einen World-Series-Sieg – bis Freitag.

Die Spielerin der TFC Vienna Fooscats zog nach erfolgreicher Qualifikation im Eiltempo ins Achtelfinale ein. Dort galt es mit Landsfrau Karen Scheuer ein richtig dickes Brett zu bohren. In einer dramatischen Partie, in der Scheuer im vierten Satz beim Stand von 4:4 einen Matchball ungenutzt ließ, setzte sich Rohrer schlussendlich mit 5:2 im fünften Satz durch. Im Viertelfinale war Rohrer gegen die an Position acht gesetzten Steirerin Marina Tabakovic dann erstmals auch auf dem Papier Außenseiterin, setzte sich aber in drei knappen Sätzen jeweils 5:4 durch. „Im Vorjahr bin ich gegen Marina ausgeschieden. Als ich sie geschlagen haben, habe ich gewusst: heute geht was“, erklärte die Wienerin später.

Dass sie sich in einen Flow gespielt hatte, bewies Rohrer dann im Semifinale gegen Blagovesta Hoffmann. Die Bulgarin, aktuell die Nummer fünf der ITSF-Weltrangliste, hatte keine Chance und unterlag 1:3.

Im Endspiel kam es zum Aufeinandertreffen mit Cindy Kubiatowicz. Die Schweizerin, 2016 in Salzburg World-Series-Siegerin im Einzel, schaltete zuvor die Deutsche Linh Tran (Viertelfinale) und Österreichs Youngster Elli McDonald (Halbfinale) jeweils nach Satzrückstand aus. Wenig überraschend war Kubiatowicz auch für Rohrer eine zähe Gegnerin, dominierte vor allem mit ihrer 5er-Reihe und lag nach drei Sätzen auch 2:1 in Front. 

„Irgendwann habe ich herausgefunden, was sie macht, und konnte ihre 2er- und 3er-Reihe kontrollieren. Mit der 5er-Reihe hatte sie dann nur noch eine Waffe“, analysiert Rohrer. Mit zwei souveränen Siegen im vierten (5:0) und fünften Satz (5:3) sicherte sich die ehemalige Garlando-Dominatorin genau ein Jahrzehnt nach ihrem bislang letzten Triumph wieder die Gold-Medaille im Damen-Einzel – und umgerechnet rund 1.500 Euro Preisgeld.

„Ich habe nicht damit gerechnet, habe hopp oder dropp gespielt, ich freue mich riesig über den Sieg.“ Der Silbermedaillen-Gewinnerin, ihren Konkurrentinnen und den Veranstaltern streute „Vrony“ Rosen: „Jede hätte hier heute den Sieg verdient. Die World Series Garlando ist einfach jedes Jahr grandios. Das Niveau wird von Jahr zu Jahr besser. In so einer Final-Arena zu spielen ist ein Traum, davon träumt jede Spielerin und jeder Spieler.“

McDonald rundete als Vierte das starke TFBÖ-Ergebnis ab. Die Oberösterreicherin unterlag Hoffmann im Bronze-Match 0:3, darf sich aber mit 5 Gramm Gold von philoro Edelmetalle GmbH trösten.

Starke Vierte: Elli McDonald.

Österreich dominiert U19-Bewerb

Außerdem fanden in der Jahnturnhalle vier Junioren- und zwei Senioren-Bewerbe statt. Bei den U19-Burschen dominierten die heimischen Nachwuchs-Hoffnungen. Auf den ersten fünf Plätzen waren ausschließlich Österreicher zu finden. Den Turniersieg sicherte sich Laurin Breuer mit einem 3:1-Finalerfolg über Ludwig Gansch. Dritter wurde Hugo Haslwanter. 

Bei den U13-Jährigen gab es Silber (David Froschauer) und Bronze (Louis Georgi) für rot-weiß-rote Tischfußballer. Der Sieg ging an den Briten Stanley Darragh. Im U16-Bewerb kamen Raphael Holzer (4.) und Nora Breuer (5.) den Medaillen-Rängen nahe. Predrag Popovic (SRB) gewann vor Fabian Honekamp (GER) und Piotr Leszczynski (POL).

Der U19-Mädchen-Bewerb war fest in polnischer Hand. Samanta Piotrowska gewann vor ihren Landsfrauen Blanka Jankowska und Zuzanna Sokolowska.

Bei den Senioren gab es durch Roman Benz (Ü50) und Petr Swoboda (Ü63) österreichische Siege.

Samstag ist „Doppel-Tag“: Gelingt der „Hattrick“?

Der Samstag steht in St. Pöltener ganz im Zeichen der Doppel-Bewerbe. Alle Augen sind dabei auf Daniel Burmetler und Benjamin Willfort gerichtet, die ihren dritten Titel in Serie anpeilen. Nicht auszuschließen, dass es wieder zum Bruder-Duell kommt. Stefan Burmetler kann nach seinen beiden Titeln gemeinsam mit Matthias Schöpf nunmehr befreit aufspielen.

Bei den Damen fordern die Eheleute Verena und Sabrina Rohrer die Grand-Slam-Siegerinnen von 2023 Ecaterina Sarbulescu (ROM)/Linh Tran (GER).

Wer es nicht in die niederösterreichische Landeshauptstadt schafft, dem stehen die Livestreams der International Table Soccer Federation (ITSF) und des Tischfußballbund Österreich (TFBÖ) zur Verfügung. Ein besonderes Schmankerl hat sich der TFBÖ anlässlich des Mega-Evente des Jahres einfallen lassen: Erwin Kramel wird gemeinsam mit verschiedenen Experten als Kommentator durch viele Übertragungen führen – TUNE IN!

Beide Links führen zu den kostenlosen Angeboten auf YouTube:
›TFBÖ-Stream mit Erwin Kramel
›ITSF-Stream

Die bisherigen Ergebnisse im Überblick

Einzel (Damen):
1. Verena Rohrer
2. Cindy Kubiatowicz (SUI)
3. Blagovesta Hoffmann (BUL)

Einzel (Herren):
1. Stefan Burmetler
2. Daniel Burmetler
3. Thomas Haas (GER)

Mixed-Doppel:
1. Melissa Mosser/Stefan Burmetler
2. Jana Pankova/Simon Varos (SVK)
3. Sarah Klabunde/Thomas Haas (GER)

Einzel (Senioren Ü50):
1. Roman Benz
2. Pietro Hofmann (GER)
3. Hermann Fritsche (SUI)

Einzel (Senioren Ü63):
1. Petr Swoboda
2. Horst Meisters (NED)
3. Reinhard Wiege

Einzel (Junioren U13):
1. Stanley Darragh (GBR)
2. David Froschauer
3. Louis Georgi

Einzel (Junioren U16):
1. Predrag Popovic (SRB)
2. Fabian Honekamp (GER)
3. Piotr Leszczynski (POL)

Einzel (Junioren U19):
1. Laurin Breuer
2. Ludwig Gansch
3. Hugo Haslwanter

Einzel (Juniorinnen U19):
1. Samanta Piotrowska (POL)
2. Blanka Jankowska (POL)
3. Zuzanna Sokolowska (POL)

Nationalteam (Damen):
1. Deutschland
2. Bulgarien
3. Österreich

Nationalteam (Herren):
1. Österreich
2. Ungarn
3. Schweiz

Nationalteam (Senioren):
1. Österreich
2. Deutschland
3. Schweiz

Team:
1. Hotshots 
2. philoro
3. CMS 

Halloween (D.Y.P.):
1. Antonio Schaffer (AUT)/Andre Ashitkov (RUS)
2. Andras Marinkovits (AUT)/Tibor Varsanyi (HUN)
3. Louis Langthaler (AUT)/Tony Spredeman (USA)

Mehr Ergebnisse & Ansetzungen gibt’s ›hier!

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