Triple-Gold! Burmetler drückt World Series einen letzten Stempel auf – TFBÖ-Bilanz positiv

Für die Tischfußball-Weltelite ist die World Series Garlando in St. Pölten am Sonntag mit den Entscheidungen im Classic-Doppel der Damen und Herren zu Ende gegangen. Mit seinem dritten Titel des Wochenendes avancierte Stefan Burmetler endgültig zum großen Dominator des wichtigsten Turniers auf dem Tisch des italienischen Herstellers Garlando. Gemeinsam mit seinem Tiroler Partner Matthias Schöpf holte sich der 17-Jährige von der Sportunion TFC Pielachtal erstmals auch noch den Titel im traditionellen Doppel-Format, das unter anderem ohne sogenannte „turn-around shots“ gespielt wird. Schon am Freitag hatte er seine Vorjahrestitel im Einzel und Mixed (mit Melissa Mosser) erfolgreich verteidigt. Nach seinem „Triple“ zeigte sich der Weltranglisten-Zweite mit dem Turnier-Wochenenden „mehr als zufrieden“ und gab sich bescheiden: „Ich wollte einfach nur Spaß haben und habe nicht unbedingt damit gerechnet, so viel zu gewinnen.“ Am Montag ging‘s für das „Wuzzl“-Aushängeschild weiter ins Burgenland – der gelernte Maurer ist mit seinem Arbeitgeber derzeit auf Montage.

Bei den Damen feierten Ecaterina Sarbulescu (ROM) und Linh Tran (GER) einen versöhnlichen Abschluss mit dem vierten und letzten Großevent der ITSF-World-Tour-Saison 2024. Die beiden derzeit wohl besten Tischfußballerinnen der Welt holten sich gegen die Bulgarinnen Stanislava Staykova und Veronika Mincheva (3:0) den Sieg im Classic-Doppel der Damen. In den Bewerben zuvor hatten die Grand-Slam-Siegerinnen von 2023 vergebens den Medaillen hinterhergejagt, die an die Österreicherinnen Verena Rohrer (Einzel), sowie Marina Tabakovic und Karen Scheuer (Doppel) gegangen waren.

Nicht nur aufgrund der starken heimischen Erfolgsbilanz mit fünfmal Gold, dreimal Silber und des rekordverdächtigen Gesamtpreisgeldes von mehr als 70.000 Euro –Hauptsponsor philoro Edelmetalle GmbH steuerte 700 Gramm Gold bei – zog Thomas Wagner nach vier intensiven Turniertagen ein positives Fazit. „Es war nicht nur das höchstdotierte Turnier in der 20-jährigen Geschichte, sondern auch das rundum professionellste, fairste und familiärste“, so der Präsident des Tischfußballbundes Österreich (TFBÖ), dessen Verband seit 2005 für die Organisation des Turniers verantwortlich ist.

Adjustments und abgespielter Ball ebnen den Weg zu(m) Gold

Nachdem der Doppel-Bewerb am Samstag mit einer Viertelfinal-Niederlage gegen Pascal Nater/Thomas Ziegler (SUI) auf Platz sechs geendet hatte, wollten Burmetler/Schöpf ihre „zweite Chance“ auf eine Medaille im Classic-Doppel nutzen. Das Vorhaben wackelte aber gleich zu Beginn gewaltig. In der ersten K.o.-Runde lagen die Österreicher gegen die Tschechen Michal Kladivo und Matej Kunte bereits 0:2 in Sätzen zurück. Danach fing sich das TFBÖ-Duo allerdings und ließ beim erfolgreichen Comeback nur noch fünf Gegentore zu. „Das war knapp“, gab Burmetler zu, „da waren wir noch nicht ganz in unserem Rhythmus.“

Anschließend marschierten die späteren Champions mit klaren Siegen bis ins Semifinale durch. Dort warteten mit Tony Spredeman (USA) und Björn Hoffmann (GER) ausgerechnet die Sieger des Doppel-Bewerbs vom Samstag. Schnell hatten sich Burmetler/Schöpf einen 0:2-Satzrückstand (4:5, 3:5) eingefangen. „Tony hat uns ganz schön überrascht und mit der 2er-Reihe zu Beginn viel Druck gemacht“, wunderte sich der Niederösterreicher darüber, dass der Weltranglisten-Erste im Einzel in diesem wichtigen Spiel ausnahmsweise an den defensiven Stangen agierte. „Wir haben uns dann aber darauf eingestellt“, deutete Burmetler die erfolgreichen Adjustments an. Zudem habe Hoffmann mit dem „älter“ werdenden Ball an offensiver Durchschlagskraft eingebüßt, erklärte der Youngster. Schlussendlich gelang dem heimischen Erfolgsdoppel auch gegen die Nummer-1-Paarung des Bewerbs ein Comeback. Die Sätze drei, vier und fünf gingen mit 5:2, 5:4 und 5:1 dann doch klar an die beiden Österreicher.

Im Endspiel trafen Burmetler/Schöpf überraschend auf ihre Landsmänner Markus Schützenhofer und Gerhard Dörr, die ein (weiteres) Bruderduell verhinderten und im Semifinale Daniel Burmetler und Benjamin Willfort aus dem Turnier kickten. (1:3) Im Kampf um Gold hatten die beiden Außenseiter dann allerdings kaum eine Chance. Die Favoriten setzten sich mit 3:1 durch und mussten in vier Sätzen nur neun Tore hinnehmen. „Dadurch, dass der Verteidiger hinten nicht so gut rausgekommen ist, hat der Stürmer auch weniger Bälle gesehen“, resümierte Stefan Burmetler. Für ihn und Schöpf ist es der zweite gemeinsame Sieg bei einem Großevent nach dem Sieg im Classic-Doppel bei der World Series auf dem deutschen Leonhart-Tisch 2023. Die beiden dürfen sich über etwa 1.500 Euro Preisgeld, davon 15 Gramm in Gold, freuen.

Fünfmal Gold, dreimal Silber in sieben Hauptkategorien – TFBÖ-Asse räumen ab

Apropos Gold: Von den insgesamt 700 Gramm Gold (50.000 Euro), die die philoro Edelmetalle GmbH auf das ITSF-Preisgeld von 20.000 Euro drauflegte, blieb der Großteil in Österreich. Zu verdanken ist das den Erfolgen der heimischen Tischfußball-Asse.

In den sieben Hauptkategorien – darunter die Einzel, Doppel und Classic-Doppel der Damen und Herren, sowie das Mixed – holten die österreichischen Athlet:innen fünf Gold-Medaillen und dreimal Silber. Der rot-weiß-rote Medaillen-Spiegel wird angeführt von Stefan Burmetler. Nach seinem Final-Sieg im Einzel gegen seinen Bruder Daniel, dem Triumph mit Melissa Mosser im Mixed, sowie dem Erfolg mit Schöpf im Classic-Doppel im rein-österreichischen Finale gegen Schützenhofer/Dörr darf sich der Dominator dieser World Series rund 1.500 Euro Preisgeld und knapp 50 Gramm Gold (umgerechnet rund 4.000 Euro) in seinen Tresor legen. Emotionales Highlight neben dem „Bruderduell“ im Einzelfinale? Der Entscheidungssatz im Mixed-Bewerb, der nach einer Glanzparade von Mosser gegen den Matchball des slowakischen Starspielers Simon Varos erst im „sudden death“ zugunsten des TFBÖ-Doppels endete.

Im Damen-Einzel feierte Verena Rohrer nach zehn Jahren überraschend ein „Titel-Comeback“. Die Wienerin, die den Bewerb von 2005 bis 2014 zehnmal in Folge gewonnen hatte, setzte sich gegen Ex-Champion Cindy Kubiatowicz (SUI) nach 1:2-Satzrückstand 3:2 durch und kehrte nach einem Jahrzehnt zurück auf den „Garlando-Thron“. „Ich habe nicht damit gerechnet, habe hopp oder dropp gespielt, ich freue mich riesig über den Sieg“, sagte Rohrer, die mehr als 1.500 Euro einstreifte – davon 15,6 Gramm Gold.

Auch im Damen-Doppel feierten zwei Ex-Champions ihre Rückkehr auf das oberste Sieger-Treppchen. Die Steirerinnen Marina Tabakovic und Karen Scheuer spielten sich in einen wahren Rausch und dominierten den Bewerb. Am Ende musste das Duo vom TFC Hotshots in der K.o.-Phase nur einen Satz abgeben. „Wir haben den Tag sehr genossen, sind ohne Druck reingegangen und haben clever gespielt“, bilanzierten die Siegerinnen, die sich über mehr als 2.000 Euro, davon 20 Gramm in Gold, freuten.

Im Herren-Doppel gab es ebenfalls eine österreichische Medaille. Die Silberne von Bernhard Kraus und Sandro Grüner strahlte aber fast wie Gold. Die beiden Außenseiter unterlagen zwar im Finale Spredeman/Hoffmann glatt mit 0:3, schalteten aber auf dem Weg dorthin die zweifachen Titelverteidiger Willfort/Daniel Burmetler aus, die ihren dritten Sieg in Folge damit verpassten. Kraus/Grüner nahmen 30 Gramm Gold – umgerechnet rund 2.500 Euro – mit nach Hause.

„Kein 0815-Turnier“

Fünfmal Gold, dreimal Silber – dazu kamen noch zahlreiche Medaillen in den Junioren-Bewerben (U13, U16, U19) sowie bei den Senioren (Ü50, Ü63). Österreichs Tischfußball-Szene hat beim letzten World-Series-Event des Jahres einmal mehr ein kräftiges Ausrufezeichen gesetzt.

„Ich bin unheimlich stolz auf die Leistungen unserer Sportler:innen. Sie haben sich gegen die besten der Welt durchgesetzt und gezeigt, warum der Garlando unser ‚Heimtisch‘ ist“, jubelte auch TFBÖ-Präsident Wagner. Der Niederösterreicher, der dem Verband seit 2008 fast durchgehend vorsteht, bedankt sich aber vor allem bei den etwa 25 ehrenamtlichen Helfer:innen, die für einen reibungslosen Verlauf sorgten. „Die World Series ist im Vergleich zum Vorjahr um etwa ein Drittel größer geworden. Wir haben erstmals eine zweite Halle gebraucht. Diese Herausforderung hat das Organisations-Team tadellos gemeistert und den 500 Tischfußball-Stars aus 25 Nationen ein unvergleichliches Turnier-Erlebnis geboten. Ein spezieller Dank geht auch an die Stadt St. Pölten, die uns in allen Belangen hervorragend unterstützt hat.“ 

Besonders die Atmosphäre werde ihm in Erinnerung bleiben, so Wagner, vor allem der gegenseitige Respekt unter den Spieler:innen „Noch nie ist es bei einer World Series um so viel gegangen und noch nie herrschte so eine familiäre Atmosphäre. Es war nicht nur das höchstdotierte Turnier in der 20-jährigen Geschichte, sondern auch das professionellste und fairste.“ Seinen Ruf als einer der besten Turnierstandort der Welt konnte Österreich jedenfalls wieder einmal bestätigen. Mit „Extras“ wie der Junior:innen-Lounge, in der dank DL-PAYROLL GmbH die jüngsten Spieler:innen einen geschützten Raum mit gratis Verpflegung zum Ausruhen, Knüpfen von Freundschaften oder für „Wuzzl“-Partien außer Konkurrenz zur Verfügung haben, punktet der TFBÖ in der Community.

Erstmals profitierte das Event auch von einer größeren Medienaufmerksamkeit, die das Ergebnis professioneller Öffentlichkeitsarbeit ist. Große Tageszeitungen wie die „Krone“, „Die Presse“ oder der „Kurier“ berichteten rund um die World Series. Langjährige Partner wie die „NÖN“ sorgten wie der „ORF“ via Radio und TV ebenfalls für aktuelle Berichterstattung. „Man merkt, dass alles professioneller wird“, merkte selbst Stefan Burmetler an, dass die Sichtbarkeit mit der Bedeutung des Turniers mithalten konnte. „Es ist kein 0815-Turnier, sondern eines der größten Turniere der Welt. Nicht umsonst kommen alle Top-Stars aus dem Ausland nach Österreich. Cool ist, dass es in St. Pölten stattfindet, das ist schon ein gewisser Heimvorteil“, grinste der Triple-Champion. Am Montag ging es für den Weltranglisten-Zweiten weiter ins Burgenland. Aber nicht zu einem Tischfußball-Turnier. „Wir sind wieder auf Montage“, so der hauptberufliche Maurer. 

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